Warum es manchmal ok ist, die Hoffnung aufzugeben.

08.04.2018
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Wenn man von der Hoffnung liest, dann eher in dem Kontext wie wichtig es ist, diese niemals aufzugeben – als wie in diesem, der dazu ermutigt, es manchmal eben doch zu tun.
Francis Bacon sagte einmal: Die Hoffnung ist ein gutes Frühstück, aber ein schlechtes Abendbrot. Was er damit meinte war, die Hoffnung sollte am Beginn jeder Unternehmung vorhanden sein (dafür steht der Morgen bzw. das Frühstück). Wenn am Ende der Unternehmung (der Abend/das Abendbrot) jedoch trotz aller Bemühungen und Umstände kein Ergebnis vorhanden ist, sondern immer noch nur die Hoffnung auf etwas, dann ist es vielleicht an der Zeit, aus dem Hamsterrad auszusteigen.

Hoffnung kann extrem viel Energie und Kraft in uns mobilisieren. Und in den meisten Fällen ist es ratsam und gut, sich dieser Ressource auch hinreichend zu bedienen. Schwierig wird es jedoch, wenn wir nicht bemerken, wann es Zeit wird, etwas als das anzunehmen was es ist. Weil wir es vielleicht lieber anders gehabt hätten. Schließlich glauben wir irgendwo noch fest an den positiven Ausgang einer Sache oder Situation, den wir uns so sehr wünschten. Subjektiv ist die Variable H(Hoffnung) meist unser Platzhalter für etwas, woran unser Herz hängt.

Motivierend aber auch einschüchternd liest sich in verschiedensten Zitaten, dass wir alles tun können, aber „heaven forbid“, die Hoffnung dürfen wir auf keinen Fall aufgeben. Nun, ich finde das ist unmenschlich. Hoffnung über eine lange Dauer hinweg mit unserem Herzblut zu füttern kostet irgendwann wesentlich mehr Kraft, als sie spendet. Und das können wir nicht ewig beibehalten, sonst zieht und zerrt sie uns immer wieder zurück in einen Zustand des Mangels. In das Perpetuum mobile aus Wunschvorstellung und Enttäuschung.
Wenn sich die Dauer der Zeit mit den harten Fakten der Realität kreuzt, ist es ok weiterzuziehen. 
Du darfst die Hand, in der du die Hoffnung all die Wochen, Monate oder Jahre gehalten hast öffnen und sie gehen lassen. Und anfangen voll und ganz in der Realität anzukommen und zu integrieren, was eigentlich fehlt. Vielleicht kommt eines Tages von allein das Ersehnte zustande, vielleicht auch nicht. Aber ob das letztendlich gut oder schlecht war wissen wir ja nicht. Genauso wenig übrigens wie, sofern sich alles wie vorgestellt realisiert hätte, es sich auch so gut angefühlt hätte, wie erwartet. 
Wenn wir auf etwas hoffen, sind wir gewissermaßen dauer-alert. Wie eine latente, subtile Schreckhaftigkeit. Sobald das kleinste positive Anzeichen erkennbar ist, kommen wir völlig aus unserer Mitte. Das Gedankenkreisen um das Thema nimmt wertvollen Raum ein, der ansonsten für andere Dinge Platz bieten könnte. Zudem schließt zwar hoffen nicht aus, auch aktiv dem Erhofften zuzuarbeiten, aber es liegt näher, dass wir uns in eine passive kleine Ecke setzen und dort darauf warten, bis sich die Dinge ergeben.

Was uns helfen kann, ist anzunehmen und zu vertrauen. Das Leben ist nicht gegen uns, sondern für uns. Und wenn sich etwas auf Teufel komm raus nicht so ergibt wie gewünscht, dann dürfen wir uns fast sicher sein: Es war einfach nicht so vorgesehen. Wenn wir alles in unserem Rahmen mögliche getan haben, alles versucht haben, ist es auch wichtig, unsere Grenzen zu kennen und nichts krampfhaft zu forcieren. Denn was richtig ist, darf fließen zu uns. Dafür müssen wir niemals unsere eigenen Reserven leer zehren, oder unserer Würde vergessen. 
Die Hoffnung kann uns mürbe machen. Und hoffnungslos. Sie bringt uns nicht immer nur dazu, an das gute Ende zu glauben. Sie kann uns auch dazu bringen, eindeutige Hinweise nicht zu erkennen und abzutun. Und wenn dann doch die herbe Enttäuschung Einzug hält, müssen wir achten, dass sich diese Ernüchterung nicht auch in andere Bereiche des Lebens einschleicht. 
Hoffnung setzt einen gegenwärtigen Mangel an etwas voraus und die Perspektive auf eine Befriedigung dieses Mangels in der Zukunft. Aber an was mangelt es uns? Es kann gut sein, dass wir nur deshalb so lange gehofft haben, weil irgendein Believe uns hat so lange festhalten lassen. Es kann daher lohnenswert sein, herauszufinden:

Warum möchte ich das unbedingt?
Was verbinde ich damit?
Kann ich mir sicher sein, dass es so wäre, wie ich es mir erhoffe?
Was kann ich mir heute geben, das das Gefühl bedient, welches ich zu füllen wünsche?

Aber warum halten wir oft so sehr fest an der Hoffnung?
Weil es uns paradoxerweise weniger schmerzt; Lieber halten wir an einem Vielleicht fest, als anzufangen, das Nein zu verarbeiten. Besonders unschön ist das, wenn man nie ein klares nein ausmachen konnte. Dann lohnt es sich immerhin, folgende kleine Rechnung aufzustellen.

 

Wie lange hoffe ich schon
Output bzw.Ergebnis 
= Should I stay or should I go.

 

Wir alle streben danach, glücklich zu sein. Gleichzeitig versuchen wir es zu vermeiden, Schmerz zu fühlen. Und das macht das Hoffen so unheimlich reizvoll. Es trennt uns von der gegenwärtigen, unzufriedenstellenden Situation und projiziert uns direkt in unsere (in der Zukunft liegende) Idealvorstellung. Es gibt uns die Freiheit, die Augen zu schließen und uns vorzustellen, wie es wohl wäre. Die Hoffnung tröstet uns und lässt uns auf künftige Ereignisse lauern, mit dem Preis des Verlusts des Augenblickes. Ich sag es noch einmal: Mit dem Preis des Verlusts des Augenblickes!

Wenn du dich schon zu lange quälst, dann sei dir bewusst: 
Du darfst die Hoffnung aufgeben. Das ist nicht schwach. Sondern manchmal sogar das gesündeste, das wir tun können, wenn wir gut auf uns achtgeben wollen.

 

NACHWORT: 
Was ich in meinem Artikel nicht meine ist die Hoffnung für DICH selbst. Die gibst du niemals auf! Und wenn du jemals nicht mehr weiter kannst allein, oder das Gefühl hast, aufgeben zu müssen, dann ruf mich an. Egal wann. 
0176-24902815

Zuletzt geändert am: 09.04.2018

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